Der Ballonpilot
Dominik Bartsch ist schon als Dreijähriger mit seinem Vater Ballon gefahren. Seit elf Jahren hat der Sachverständige für Pipelines und Anlagenbau selbst einen Pilotenschein.
„Ich saß schon als kleiner Knirps auf der Gasflasche im Korb, wenn mein Vater Ballon gefahren ist. Für mich war immer schon klar, dass ich das auch mal machen möchte“, sagt Dominik Bartsch. Fragt man den heute 36-Jährigen, was das Ungewöhnlichste war, das er beim Ballonfahren erlebt hat, dann nennt er nicht zuerst seine Alpenüberquerungen und auch nicht die Teilnahme an Weltmeisterschaften. „Das Ungewöhnlichste war die Landung mit meinem Vater mitten auf der Karlsbrücke in Prag. Wir haben den Passanten von oben ein 50 Meter langes Seil zugeworfen und ihnen zugerufen, was zu tun ist.“ Er war damals zwölf Jahre alt. Spätestens da wusste er, das Ballonfahren ein großes Abenteuer ist, weil man vorher nie so ganz genau weiß, wo man landet.
Ich saß schon als kleiner Knirps auf der Gasflasche im Korb, wenn mein Vater Ballon gefahren ist. Für mich war immer schon klar, dass ich das auch mal machen möchte.
Mittlerweile hat er längst selbst einen Pilotenschein, weit über 700 Fahrten absolviert und ist jedes Mal sicher wieder auf den Boden zurückgekehrt. „Du kannst die Höhe beeinflussen und über die Höhe dann ein paar Grad Richtungsunterschied haben“, erklärt Dominik Bartsch. Ballonfahren ist aber keine Glückssache. „Egal, wo ich starte, ich muss sicher sein, dass ich sicheres Landegelände erreichen kann.“ Deshalb ist die akribische Vorbereitung der Fahrt so wichtig. In der Pilotenausbildung lernt man, die Trägheit des Systems einzuschätzen, man lernt, wie es ist, aus 4.000 Meter schnell abzusteigen, oder das menschliche Leistungsvermögen bei wenig Sauerstoff einzuschätzen. Und: Ein Ballon muss jährlich zum TÜV.
Immer wenn es das Wetter erlaubt, fährt der Ballonpilot hauptsächlich im Ruhrgebiet und im Münsterland Heißluftballon. Er darf Passagiere mitnehmen, wovon auch schon einige Kolleg:innen profitiert haben.
„Ballonfahrten werden nur morgens und abends durchgeführt, da es dann keine Thermik – also Auf- und Abwinde durch Sonneneinstrahlung – gibt“, erklärt der Ingenieur. Das Luftfahrtgesetz erlaubt es Ballonfahrer:innen, überall zu landen, in der Regel sind es Feldwege und Äcker. Nicht alle Landwirte mögen das. „Manche Bauern kommen mit einer Kiste Bier zum Ballon, andere mit dem Güllewagen“, erzählt Dominik Bartsch schmunzelnd. In der Regel reiche aber ein klärendes Gespräch. In Frankreich sei mal einer mit frischem Käse und einem guten Rotwein gekommen. „Mit dem Ballon konnte ich bereits viele schöne Regionen in Europa, aber auch in den USA oder Saudi-Arabien kennenlernen“, erzählt er weiter. In Albuquerque, New Mexiko, war er mit 800 weiteren Ballons am Himmel. „Ein irres Spektakel, überall fauchten die Brenner, die Ballone berührten sich in der Luft.“
Ballonglühen am Weseler Flugplatz Römerwardt zum Weseler PPP-Stadtfest.
Highlights sind Alpenüberquerungen, die nur im Winter möglich sind und minutiös geplant sein müssen. „Erst zwei bis drei Tage vorher sehen wir, ob das Wetter passt.“ Start ist sehr früh morgens beispielsweise im malerischen Tannheimer Tal in Österreich. Mit entsprechender Technik und dicker Kleidung geht es in einer Höhe von 3.500 bis 4.000 Metern und Temperaturen von bis zu minus 30 Grad mit rund 120 km/h über die Alpen. „Das Tempo bekommt man nicht mit, weil man sich ja mit dem Wind bewegt.
Der Ballonsport ist ein kostspieliges Hobby. Allein die handgenähte, zwischen 1.000 und 2.000 Quadratmeter große Hülle eines Heißluftballons kostet bis zu 60.000 Euro. Deshalb sei er froh, einen Sponsor zu haben. Bei einer einstündigen Fahrt verbrauchen die beiden Brenner an Bord rund 100 bis 150 Liter Propangas. „Ich achte darauf, dass ich CO2-neutrales Propan einsetze“, sagt der Ingenieur. Sehr gerne ist der Naturliebhaber sogar ganz ohne heiße Luft unterwegs: im Gasballon. Die fahren mit Wasserstoff und kommen ganz ohne Brenner aus. Man wirft Ballast ab, um in die Luft zu gehen. „Mit dem Gasballon bin ich geräuschlos unterwegs“, schildert Dominik Bartsch. Er arbeitet ehrenamtlich im Vorstand des Gasballonvereins Essen, der das Leistungssportzentrum für Gasballons in Gladbeck betreibt.
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Vereinsfahrt 2024 in Essen.
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Über dem Kraftwerk in Duisburg.
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Internationales Ballon Festival in Albuquerque, New Mexico, 2017.
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Hullerner Stausee.
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In der Nähe von Kiel.
Den Wasserstoff bezieht der Verein aus einer Pipeline von Gelsenkirchen nach Marl, die Dominik Bartsch als Sachverständiger für Rohrfernleitungen bei TÜV NORD betreut. „Durch den Pipeline-Anschluss können wir unserem Hobby nachgehen; es wäre sehr viel teurer, wenn der Wasserstoff mit Tankwagen geliefert werden müsste.“ Manchmal gleitet Dominik Bartsch lautlos mit dem Gasballon über den Chemiepark Marl und dann weiter über ein großes Waldgebiet und hört am Boden die Wildschweine grunzen oder das Röhren der Hirsche in der Nacht. Auch der sportliche Wettbewerb reizt ihn: Zuletzt haben er und einige Vereinsmitglieder an den Gasballon-Weltmeisterschaften – dem Gordon-Bennett-Rennen – in Frankreich teilgenommen. Alle drei deutschen Teams landeten in den Top Ten.
Durch den Pipeline-Anschluss können wir unserem Hobby nachgehen; es wäre sehr viel teurer, wenn der Wasserstoff mit Tankwagen geliefert werden müsste.
Was Dominik Bartsch gern noch mal im Heißluftballon erleben möchte, ist eine Fahrt über den Ärmelkanal nach England. Sein größter Traum ist es allerdings, seine Leidenschaft für den Luftsport an seine beiden Töchter (4 und 1) weiterzugeben, so wie sein Vater ihm den Spaß daran vermittelt hat. Die Jüngste krabbelt schon jetzt am Boden über die Stoffbahnen der Ballonhülle, wenn der Papa sich zum Start bereit macht. Und wer weiß, ob er mit seinen Töchtern nicht bald in einem Heißluftballon über dem TÜV NORD-Campus in Essen zu sehen sein wird.