Von der Hebebühne auf die Leinwand
Wenn Serkan Kaya über Autos spricht, leuchten seine Augen. Spricht er über Familie, wird seine Stimme weich. Seit 2022 ist er Kooperationspartner von TÜV NORD Mobilität in Berlin-Rudow und zugleich eines der Gesichter der ZDF-Serie „Sons of Neukölln“. Eine Geschichte, die zeigt, dass Erfolg selten Zufall ist, sondern das Ergebnis aus Fleiß, Haltung und einem festen Anker: der Familie.
Wurzeln zwischen Kreuzberg und Neukölln
Geboren wurde Serkan wie sein Bruder Engin in Berlin. Die Eltern kamen in den 1980er-Jahren aus der Türkei nach Deutschland, zunächst nach Kreuzberg, später zogen sie nach Neukölln. „Mein Vater hat sich mit viel Einsatz, Leidenschaft und ohne fremde Hilfe ein Autohaus und damit eine eigene Existenz in Deutschland aufgebaut“, erzählt Serkan Kaya. Schon als Kind war der Autohof Spielplatz und Schule zugleich: Ölgeruch, Motorengeräusche, Reifenstapel – dort lernte er nicht nur das Fahrradfahren, sondern auch wie Fahrzeugtechnik funktioniert. Die Mutter arbeitete als Teamleiterin bei Siemens. Beide sind für Serkan und seinen Bruder bis heute Vorbilder: „Sie haben uns gezeigt, was es heißt, sich durchzubeißen und trotz einfacher Herkunft etwas Eigenes aufzubauen, worauf man stolz sein kann.“
Mein Vater hat sich mit viel Einsatz, Leidenschaft und ohne fremde Hilfe ein Autohaus und damit eine eigene Existenz in Deutschland aufgebaut.
Diese Haltung hat Serkan geprägt und sie sollte sich bewähren, als es für ihn schwierig wurde. Denn er war im Gegensatz zu seinem Bruder alles andere als ein Musterschüler. „Ich bin 2008 von der Schule geflogen“, erzählt er offen. Doch insbesondere seine Mutter ließ nicht zu, dass er sich hängen ließ. Drei Absagen hatte er bei einem Ausbildungsbetrieb für Mechatronik schon kassiert, da drängte sie ihn, es ein viertes Mal zu versuchen. „Ehrlich gesagt, wollte ich erst gar nicht mehr hingehen“, erinnert sich Serkan. „Ich dachte, ich sage einfach, sie hätten mich wieder nicht genommen. Aber dann kam mein Ehrgeiz durch, dieser Kampfgeist, den ich schon als Kind beim Schwimmen hatte.“ Schon damals trainierte er sechsmal die Woche, wurde im Alter von zehn Jahren Berliner Meister und lernte früh, dass sich Durchhalten auszahlt. „Also bin ich noch einmal hingegangen – mit klopfendem Herzen, aber mit dem festen Willen, es diesmal zu schaffen.“ Und tatsächlich: Beim vierten Besuch wurde seine Bewerbung angenommen und am nächsten Tag kam der Anruf: Zusage! Nach dreieinhalb Jahren schloss er seine Ausbildung als Mechatroniker ab und veredelte diese später mit einer Weiterbildung zum Servicetechniker und Meister. Doch der Weg war hier noch längst nicht zu Ende. Mit dem Meisterbrief öffnete sich ihm an der HTW Berlin die Tür zu einem Studium, das den Grundstein für seine spätere Tätigkeit als Prüfingenieur legte.
Zwei Wege, ein Antrieb
Sein älterer Bruder dagegen begann seinen Berufsweg auf dem Hof der Kayas: Bereits 2010 startete Engin Kaya als studierter Wirtschaftsingenieur in die Selbstständigkeit als Kfz-Gutachter. „Das erste Jahr war ein echter Härtetest“, erinnert sich Serkan. „Viel Arbeit, wenig Geld, aber eine gute Schule fürs Leben.“ Unterstützt wurden die Brüder bei all ihren Schritten von ihren Eltern, die ihnen nicht nur Mut machten, sondern auch tatkräftig halfen – sei es bei organisatorischen Fragen, beim Aufbau des Betriebs oder einfach als Rückhalt im Hintergrund. „Unsere Eltern haben uns immer den Rücken freigehalten“, sagt Serkan. „Sie haben uns beigebracht, Verantwortung zu übernehmen und dabei auf dem Boden zu bleiben.“ So entschied sich Serkan, den Weg zum amtlich anerkannten Prüfingenieur einzuschlagen – als sinnvolle Ergänzung zum Gutachtergeschäft seines Bruders und als Schritt in die eigene Selbstständigkeit.

Doch Serkan steht im Alltag mittlerweile nicht nur unter Autos, sondern auch vor der Kamera: Gemeinsam mit seinem Bruder ist er Teil der Dokuserie „Sons of Neukölln“, die Anfang 2025 gedreht wurde und im ZDF lief. Eine weitere Staffel ist aktuell in Planung. Die Produktionsfirma wurde damals auf die Brüder aufmerksam, nachdem Serkan auf Social Media mit authentischen Videos über Werkstattalltag und Berliner Lebensgefühl viral gegangen war – mit teils über drei Millionen Views und mehr als 64.000 Likes. „Der Dreh mit dem ZDF war intensiv, rund 30 Tage, teilweise zwölf Stunden täglich“, erinnert er sich. Nach einem Unfall zuhause, bei dem er sich die Nase brach und beim Dreh wie auch im eigenen Familienbetrieb für eine Woche ausfiel, schrieb der Regisseur die Szene kurzerhand ins Drehbuch. „Das war schmerzhaft, aber irgendwie auch typisch für mein Leben: Ich falle hin, stehe auf und mache weiter“, sagt Serkan.
Unternehmer mit Herz und Hühnern
Die Serie zeigt die Brüder als authentische Berliner Unternehmer, die mit Herzblut, Humor und sozialem Engagement ihren Alltag meistern. „Viele unserer Kundinnen und Kunden kennen uns aus dem Fernsehen, das ist natürlich eine schöne Werbung, aber wichtiger ist: Sie sehen, dass wir ehrlich arbeiten und zu unserem Wort stehen.“ Trotz aller (medialer) Aufmerksamkeit: Bodenständigkeit bleibt für Serkan Kaya und die Familie das Wichtigste. „Ohne meine Familie wäre ich heute nicht da, wo ich bin“, sagt er. Bruder Engin ist nicht nur Kollege, sondern auch bester Freund. „Wir machen fast alles zusammen: arbeiten, trainieren, essen mit unseren Eltern und treffen uns mit unseren gemeinsamen Freunden. Diese Nähe auch abseits der täglichen Arbeit gibt uns Kraft.“
Die Kaya-Brüder haben in Berlin-Rudow ein echtes Familienunternehmen aufgebaut – direkt vor ihrer Haustür. Das Wohnhaus der Familie liegt nur wenige Schritte von der Prüfstelle entfernt, kürzer kann ein Arbeitsweg kaum sein. „Manchmal gehe ich einfach mit der Kaffeetasse in der Hand rüber für einen kurzen Moment der Ruhe“, sagt Serkan lachend. Doch viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Brüdern nicht, denn das Prüf- und Gutachtergeschäft läuft hervorragend: Die Nachfrage ist groß, viele Kundinnen und Kunden kommen mittlerweile nicht nur aus Neukölln, sondern aus ganz Berlin und sogar dem Umland. „Wir könnten noch viel mehr Aufträge annehmen, wenn wir das entsprechende Personal hätten“, sagt Serkan. Doch geeignete Fachkräfte zu finden, sei schwierig. „Wir legen großen Wert darauf, dass jemand fachlich gut ist, aber auch menschlich ins Team passt.“ Zusätzlich zur Suche nach geeigneten Mitarbeiter:innen über Social Media stehen sie in engem Kontakt zu Schulen, Innungen sowie Hochschulen und engagieren sich darüber hinaus auch sozial in ihrem Kiez. Über 5.000 Warnwesten haben sie bereits an Kitas und Eltern verteilt, um die Sicherheit der Kleinsten zu stärken. Und wer einmal bei den Kayas zu Besuch ist, trifft dort auch auf die Familienhühner im Garten.
„Sympathie ist das A und O“, sagt Serkan. „Ein Prüfer kann noch so gut sein, wenn er menschlich nicht passt, bleibt die Kundschaft weg.“ Und vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept der Brüder: Sie verstellen sich nicht. Weder im Gespräch mit Kundinnen und Kunden noch vor der Kamera. Das, was man in der ZDF-Serie sieht, ist keine Rolle – es ist ihr echtes Leben, mit all seinen Ecken, Kanten und Momenten, in denen gelacht, angepackt oder einfach weitergemacht wird. „Wir wollen, dass sich die Menschen bei uns wohlfühlen, ob eine Kamera läuft oder nicht“, sagt Serkan. „Und wenn sie nach der Prüfung sagen: ‚Hier komme ich gern wieder hin‘, dann ist das für uns das größte Kompliment.“