Paddeln im Paradies
Ana Cristina Páramo lebt und arbeitet dort, wo andere Menschen Urlaub machen: Vor der mexikanischen Karibikküste entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Paddeln im Maya-Kanu.
„Das Meer in Cancún ist unvergleichlich – seine Farbe erobert dein Herz, sobald du es siehst“, schwärmt Ana Cristina Páramo. „Es fühlt sich perfekt an und schenkt Frieden und Ruhe. Dieses Türkis wird mir nie langweilig.“ Mit ihrem Umzug ans Meer in Mexiko erfüllte sich die 32-jährige Marketing- und Akademiekoordinatorin von TÜV NORD Mexico einen Lebenstraum. „Ich wollte immer am Ozean leben und neue Erfahrungen sammeln.“ Sie koordiniert das Marketing und ist außerdem für die Koordination von Schulungen, Seminaren und Fortbildungen zuständig. Als Corona die Arbeit ins Homeoffice verlagerte, wagte sie den Sprung, der ihr Leben veränderte: Sie zog von Querétaro, zentraler Sitz von TÜV NORD Mexico, an die 1.800 Kilometer entfernte Küste von Cancún. Das Leben am Meer war mehr als ein Tapetenwechsel – es war der Beginn einer unerwarteten Reise. „Inmitten neuer Routinen, Freundschaften und Möglichkeiten entdeckte ich etwas, das mein Herz eroberte: das Maya-Kanu und das tiefgreifende Erlebnis, auf dem offenen Meer zu paddeln.“
Alles begann mit einem Zufall: Ein guter Freund postete Bilder vom Sonnenaufgang mitten auf dem Wasser und sie wollte von ihm wissen, wo sie solche Momente selbst erleben könnte. Der Freund erzählte ihr vom Maya-Kanu und sie beschloss, es auszuprobieren. „Das Maya-Kanu war ein zentrales Transportmittel der alten Maya-Welt, aber es bedeutet viel mehr“, erklärt Ana Cristina Páramo. Es stand für Verbindung, Handel und kulturelle Identität. „Es symbolisiert die Geschichte, Kultur und Widerstandskraft der Maya. Es verkörpert Teamwork, Disziplin und gemeinsame Träume.“ An diese besondere Geschichte erinnert in Mexiko jedes Jahr „The Ocean Race“, bei dem Teams mit ihren Kanus 20 Kilometer über das offene Meer von Cancún zur Isla Mujeres und zurück fahren. Untertitel: „The Maya Challenge“.
Die Maya schnitzten ihre Kanus aus großen Baumstämmen. Sie stellten sie in verschiedenen Größen her, von kleinen Booten für den individuellen Fischfang bis hin zu großen Booten, die Dutzende von Menschen und schwere Fracht transportieren konnten. Das einfache, aber effektive Design ermöglichte es den Maya, Flüsse, Lagunen und das Karibische Meer mit bemerkenswertem Geschick zu befahren.
Im September 2024 tauchte Ana Cristina Páramo zum ersten Mal ein Paddel ins Wasser, allerdings nicht, um ein Rennen zu gewinnen, sondern um dem Meer näher zu sein und den Sonnenaufgang zu erleben. „Anfangs war es schwierig und beängstigend, auf dem offenen Meer zu paddeln“, erinnert sie sich, „aber es war auch das Beeindruckendste, das ich je gesehen habe.“ Das Wasser war so klar, dass sie den weißen Sand am Grund erkennen konnte, geformt von den Wellen. „Man sieht Meeresbewohner in ihrer natürlichen Umgebung und schmeckt das Salz in der Brise.“ Diszipliniert stand Ana Cristina Páramo seitdem jeden Tag vor Sonnenaufgang auf, um diese Momente auf dem Meer zu genießen. Was als gesundes Morgenritual begann, wurde mit jedem Paddelschlag mehr zur Leidenschaft. „Bald schon trieb ich meinen Körper und Geist an Grenzen, die ich mir nie hätte vorstellen können“, erzählt sie. Ihr ambitioniertes Ziel lautete nun, ein 20-Kilometer-Rennen mit dem Maya-Kanu in weniger als drei Stunden zu bewältigen. Wer je ein Kanu gesteuert hat, ahnt, wie anstrengend es ist, auf dem Meer zu paddeln. Die schmalen Boote tanzen wie Korken auf dem Wasser und trotzen Strömung, Wind und Wellen. Und das bei mehr als 30 Grad. Um fit zu bleiben, trainiert Ana Cristina Páramo mindestens fünfmal pro Woche, nicht nur Paddeln, sondern auch Krafttraining und Schwimmen. Im Juni erreichte sie einen Meilenstein: ihre erste Überfahrt zur Isla Mujeres. Mit sieben Frauen paddelte sie drei Stunden und vierzig Minuten über das Karibische Meer. „Die Tour war mehr als körperliche Anstrengung – sie lehrte mich Belastbarkeit, Verbundenheit und die unerschütterliche Kraft der Teamarbeit.“
Am 13. September folgte der nächste Schritt. Sie startete beim „The Ocean Race 2025“. Mit ihrem Team „Kik Kannab“, was auf Maya „Schwester des Ozeans“ bedeutet, paddelte sie von Playa Tortugas in Cancún nach Punta Sur auf der Isla Mujeres und zurück. „Wir waren sieben Frauen und ein Mann. Es war großartig, von so erfahrenen Maya-Kanuten umgeben zu sein. Für mich fühlte es sich wie eine große Party auf dem Meer an, und ich habe jede Sekunde genossen.“ Besonders bewegten sie die Anfeuerungsrufe ihrer Großmutter und Mutter, die extra angereist waren. „Sie wussten, wie hart ich für diesen Moment trainiert hatte.“
Haben wir ein klares Ziel, müssen alle mitziehen. Paddeln wir nicht im gleichen Takt, wird es schwer, unser Ziel zu erreichen.
Trotz aller Veränderungen bleibt Ana Cristina Páramos Leidenschaft für Sicherheit unverändert. Seit acht Jahren gehört sie zur TÜV NORD-Familie. Das Logo des Unternehmens prangt auf dem rechten Arm der Maya-Kanut:innen ihres Teams. „Sicherheit ist auch beim Kanufahren mein wichtigster Wert.“ Ebenso schätzt sie den Teamgeist im Maya-Kanu. „Jeder im Team zählt, und wir können Großes erreichen, wenn wir alle im gleichen Rhythmus paddeln“, sagt sie. Das Prinzip überträgt sie auf die Arbeit: „Haben wir ein klares Ziel, müssen alle mitziehen. Paddeln wir nicht im gleichen Takt, wird es schwer, unser Ziel zu erreichen. Doch wenn acht Paddler:innen wie einer handeln, zeigt uns jeder Sonnenaufgang, dass wir gemeinsam Ufer erreichen können, die wir uns einst nur erträumt haben.“