Der Taucher
Christoph Arndt ist in Mexiko mit Bullenhaien getaucht und auch schon in Wracks wie der Thislegorm im Roten Meer. Vor Lanzarote tauchte er 55 Meter tief, um schwarze Korallen zu sehen. Seine Tauchleidenschaft führt ihn rund um den Globus.
Christoph Arndts Leidenschaft fürs Tauchen wurde 1997 in einem Türkei-Urlaub geweckt. Aus Langeweile buchte er einen Tauchkurs. Es folgten Ägypten und Florida. „Dort habe ich zum ersten Mal einen Hai aus der Nähe gesehen“, erinnert sich der 57-Jährige. „Ein faszinierender Anblick, diese eleganten Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.“ Sein neues Hobby beschränkte sich zunächst auf die Urlaube. „Mit einem Bekannten habe ich dann angefangen, auch in Deutschland intensiv zu tauchen“, erzählt er. So kam er auf 50 bis 60 Tauchgänge pro Jahr. Heute versucht er, mindestens einmal im Monat abzutauchen und im Urlaub wenigstens ein paar Tage.
Christoph Arndt teilt Videos auf seinen YouTube-Kanälen unter dem Pseudonym „Radon Fish“. Das radioaktive Edelgas Radon ist eine Anspielung auf seinen Beruf: Seit 25 Jahren arbeitet er bei TÜV NORD; angefangen hat er als Sachverständiger für Strahlenschutz. Rund 15 Jahre begleitete er den Rückbau des Kernkraftwerks Würgassen. Heute beschäftigt er sich als Sachverständiger mit der Konditionierung radioaktiver Abfälle, also den Prozessen vom radioaktiven Rohabfall zum Produkt für ein Endlager. Seit 2018 ist er Vorsitzender des Betriebsrats der TÜV NORD EnSys in Hannover.
In der Regel ist Tauchen sehr entspannend. Man ist nur damit beschäftigt, diese Unterwasserwelt zu genießen.
Beim Tauchen hat er immer ein Ziel vor Augen. „Unten muss etwas sein, das ich sehen will“, sagt er. Vor Lanzarote tauchte er 50 Meter tief, um schwarze Korallen zu sehen. Ob Bullenhaie in Mexiko, Eistauchen unter gefrorener Seeoberfläche oder Tauchgänge bis 60 Meter – jeder Tauchgang sei ein besonderes Erlebnis, sagt er und ergänzt: „Nachts tauche ich am liebsten. Es ist ein sehr fokussiertes und intensives Tauchen, weil du nur das siehst, was du im Lichtkegel vor dir hast.“ Pfiffige Fische wie der Rotfeuerfisch nutzen das aus: „Die halten sich außerhalb des Lichts auf und stürzen sich dann auf ihre Beute im Lichtkegel.“ Begegnungen mit diesen Räubern können für Taucher schmerzhaft enden. „Die haben giftige Stacheln. Das heißt, man muss auch immer wieder mal um sich herumleuchten“, weiß Arndt.
Sicherheit spielt für den Sachverständigen eine große Rolle beim Tauchen. Er hat über die Jahre Tauchscheine für nahezu alle Spielarten seines Hobbys gemacht. Um sich in Form zu halten, fährt er Rad, läuft und macht Spinning. „Es ist wichtig, dass man körperlich fit ist beim Tauchen.“ Er erinnert sich an eine brenzlige Situation, als er in 35 Metern Tiefe plötzlich feststellte, dass sein Atemregler nicht mehr richtig funktionierte. „In solchen Tiefen muss man den Tauchgang kontrolliert beenden“, erklärt er. 35 Meter kontrollierter Aufstieg können sich dann wie eine Ewigkeit anfühlen. In solchen Momenten sei es entscheidend, Ruhe zu bewahren. Man kontrolliert den Luftvorrat, behält die Tiefe im Blick. Dafür trägt man einen Tauchcomputer am Arm, der einem alle wichtigen Daten liefert. „In der Regel ist Tauchen sehr entspannend. Man ist nur damit beschäftigt, diese Unterwasserwelt zu genießen“, schildert der Hobbytaucher.
Nachts tauche ich am liebsten. Es ist ein sehr fokussiertes und intensives Tauchen, weil du nur das siehst, was du im Lichtkegel vor dir hast.
Auf der malerischen Karibikinsel Bonaire, unweit der Küste Venezuelas, erlebte Christoph Arndt im Jahr 2014 ein unvergleichliches Naturschauspiel: Winzige Muschelkrebse, die zu Hunderttausenden von den Korallen aufstiegen, um sich fortzupflanzen. „Das lockt natürlich andere hungrige Meeresbewohner an“, erzählt er. Und dann beginne das große Fressen. Fische, Krebse, Schildkröten – die gesamte Nahrungskette gerate in einen Fressrausch. „Auf dem Rückweg zum Einstieg tauchten wir durch eine silberne Wand aus Fischen. Immer wieder schossen Räuber in den Schwarm, rissen einen Fisch heraus und rempelten uns dabei ständig an. Es war ein atemberaubendes Spektakel.“
Spannende Abenteuer gelingen aber auch in Deutschland. Im Kreidesee Hemmoor, einem beliebten Tauchrevier zwischen Stade und Cuxhaven, wartet sogar ein Hai – aus Kunststoff, aber sehenswert. Für Wracktaucher lohnt die Kieler Förde. Im Sauerland ist Christoph Arndt in einem gefluteten Schieferbergwerk getaucht. Sein Rat für Neulinge: „Viele Tauchvereine bieten kostenloses Schnuppertauchen im Hallenbad an. Das ist eine gute Gelegenheit für die ersten Versuche unter Wasser.“ Vor Madeira hat er kürzlich seinen 850. Tauchgang ins Logbuch geschrieben. Und seine Liste neuer Ziele ist lang: „Der Pazifik und Ostasien sind für mich unerforschtes Terrain. Thailand, Bali, die Malediven und die Seychellen stehen noch auf meiner Liste.“