Menschen merken sehr schnell, ob Kommunikation Substanz hat oder nur gut klingt.

Frau Dransfeld-Haase, Kommunikation ist das Fokusthema dieser internord-Ausgabe. Welche Rolle spielt Kommunikation für Sie als Personalvorständin?

Kommunikation ist für mich ein zentraler Teil von Führung. Gerade in Zeiten, in denen sich vieles verändert, brauchen Menschen Orientierung: Warum tun wir etwas? Was bedeutet das konkret? Wo wollen wir hin? Gute Kommunikation erreicht nicht automatisch Zustimmung, aber sie gibt die Richtung vor und schafft Verständnis. Und das ist aus meiner Sicht entscheidend.

Mir ist wichtig, dass Kommunikation nicht nur aus Botschaften besteht. Kommunikation heißt zuhören, aufnehmen und erklären. Besonders in HR sehen wir sehr direkt, welche Themen Mitarbeitende bewegen. Von Führung über die Effizienz von Prozessen bis hin zum Umgang mit Veränderung. Diese Rückmeldungen müssen wir ernst nehmen und in Entscheidungen einfließen lassen. Deshalb haben wir nach der Mitarbeitendenbefragung „3+1“ gestartet: „Prozesse & Qualität“, „Führungskultur“ und „Umgang mit Veränderungen“ sind die drei konzernweiten Handlungsfelder. Darüber hinaus hatte jede Organisationseinheit ein viertes Handlungsfeld ausgewählt, das die lokalen und individuellen Herausforderungen in den Blick nimmt. Unsere Fortschritte werden wir mit einem Puls-Check im kommenden November messen.

Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass Menschen auch in herausfordernden Zeiten Verantwortung übernehmen, sich einbringen und Veränderung aktiv mitgestalten.

Inga Dransfeld-Haase
Personalvorständin und Arbeitsdirektorin

Wie kommunizieren Sie persönlich am liebsten mit Mitarbeitenden?

Am liebsten direkt. Ich mag den persönlichen Austausch, weil man dort viel mehr mitbekommt: Zwischentöne, Sorgen, gute Ideen, manchmal auch Skepsis. Das ist wertvoll.

Gleichzeitig ist klar, dass in einem internationalen Konzern wie TÜV NORD nicht alle Gespräche persönlich stattfinden können. Deshalb brauchen wir unterschiedliche Formate: Town Halls, interne Medien, digitale Kanäle, Social Media oder auch Fragestunden bei einem gemeinsamen Kaffee. Entscheidend ist für mich, dass Kommunikation nicht beliebig wird. Sie muss verständlich, ehrlich und anschlussfähig sein. Menschen merken sehr schnell, ob Kommunikation Substanz hat oder nur gut klingt.

Warum ist Kommunikation gerade für HR so wichtig?

HR gestaltet viele Themen, die den Arbeitsalltag der Menschen unmittelbar betreffen: Führung, Entwicklung, Zusammenarbeit, Unternehmenskultur, Arbeitsmodelle, Recruiting. Wenn wir diese Themen nicht gut erklären, sind sie nicht so wirkungsvoll, wie sie sein könnten. Und für mich ist besonders wichtig: Wir werden in unseren Aufgaben nur erfolgreich sein, wenn wir sie gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen umsetzen.

Deshalb muss gute HR-Arbeit im Alltag verstanden und erlebt werden. Das betrifft zum Beispiel unsere Werte, die wir nun im Rahmen des Projekts TRUST+ auf kurze, prägnante Formeln gebracht haben, sodass allen bei TÜV NORD klar ist, was unser Handeln und Entscheiden leitet. Dies prägt und formt unsere Unternehmenskultur maßgeblich. Kommunikation ist deshalb kein Zusatz zur HR-Arbeit – sie ist ein zentraler Bestandteil.

Sie sind selbst auf LinkedIn sehr sichtbar. Welche Bedeutung haben Social Media für Sie?

Social Media sind für mich vor allem eine Möglichkeit, Themen sichtbar zu machen und in den Austausch gerade auch mit den internationalen Kolleginnen und Kollegen zu kommen. LinkedIn ist ein Ort, an dem Fachlichkeit, Haltung und Netzwerk zusammenkommen. Für ein Unternehmen wie TÜV NORD ist das wichtig, weil unsere Expertise in den Menschen liegt: in ihren Erfahrungen, in ihrem Wissen, in ihrer Verantwortung.

Wenn Kolleginnen und Kollegen Einblicke geben, Projekte zeigen oder fachliche Perspektiven teilen, wird sichtbar, was TÜV NORD ausmacht. Das ist glaubwürdiger als reine Unternehmenskommunikation. Gleichzeitig ist mir wichtig: Persönliche Profile gehören den Menschen, nicht dem Unternehmen. Niemand muss sich beteiligen. Social Media zu nutzen, ist freiwillig und muss zur Person passen.

Welche Rolle spielt Kommunikation für Employer Branding und Recruiting?

Eine sehr große. Bewerberinnen und Bewerber informieren sich heute nicht nur über Karriereseiten oder Stellenanzeigen. Sie schauen: Wofür steht ein Unternehmen? Wie sprechen Menschen über ihre Arbeit? Welche Themen werden sichtbar? Welche Haltung zeigt die Führung?

Gerade jüngere Zielgruppen erwarten Authentizität. Sie wollen nicht nur wissen, welche Aufgaben es gibt, sondern auch, wie Zusammenarbeit, Entwicklung und Kultur erlebt werden. Deshalb ist Kommunikation ein wichtiger Teil von Arbeitgeberattraktivität.

Für TÜV NORD ist das eine große Chance. Wir haben unglaublich viele spannende Aufgaben, hoch relevante Themen und Menschen mit beeindruckender Expertise. Wenn wir das noch sichtbarer machen, stärken wir nicht nur das Recruiting, sondern auch Stolz und Verbundenheit nach innen. Und es gibt zahlreiche gute Gründe, stolz zu sein auf das, was wir zusammen leisten.

Was wünschen Sie sich mit Blick auf Kommunikation bei TÜV NORD?

Ich wünsche mir, dass wir Kommunikation noch stärker als gemeinsame Aufgabe verstehen. Nicht jede Person muss öffentlich sichtbar sein. Aber gute Kommunikation findet jeden Tag statt: im Teammeeting, im Feedbackgespräch, in der Art, wie wir Entscheidungen erklären und einander zuhören.

Wenn wir offen, klar und respektvoll kommunizieren, stärken wir Vertrauen. Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass Menschen auch in herausfordernden Zeiten Verantwortung übernehmen, sich einbringen und Veränderung aktiv mitgestalten. Ich habe in meinem ersten Jahr genau diese Offenheit im Austausch mit den Menschen bei TÜV NORD weltweit erlebt: beispielweise in meinen monatlichen Connectify-Meetings oder unterschiedlichen Town Halls. Und das hat mich tief beeindruckt. Denn genau so kommt unsere Vielfalt zum Ausdruck und entfaltet ihre Stärke. Wenn wir alle unsere Perspektiven für unser gemeinsames Ziel einbringen, werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein.